Start
CE-Übersicht
Neues
Notthafft
Welser
Gattung
goldene Ketten
K: Text
K: Bilder
K: Tabelle 1a
K: Tabelle 4
K: Anmerkg.
Insinuation
Kommunikation
K: Text

Bebilderte Geschlechterbücher der deutschen Renaissance
Ein Internetangebot rund um die Chronik Eisenberger
von Hartmut Bock

 

Goldene Ketten und Wappenhelme:
Zur Unterscheidung zwischen Patriziat und Adel
in der Frühen Neuzeit
- Text -

Das berühmte Augsburger Tanzbild von 1500 stellt bekanntlich ein Fest von Patriziern und Mehrern im Tanzhaus auf dem Weinmarkt dar (Abb. 1):[1] Anhand der beigeschriebenen Namen können die vornehm schreitenden und prächtig gewandeten Tänzer alle als Mitglieder der Herrenstube bzw. auswärtige Gäste identifiziert werden,[2] man kann geradezu von einem ‚Herrenstubentanz’[3] sprechen. Die Tänzer, auch die zünftischen der Mehrer, Laux Rem und Matheus Pfister, tragen alle goldene Ketten (Abb. 2 und 3).[4] Verblüffend ist dies, weil die letzte Kleiderordnung (KO) 1466 erneut ausdrücklich allen Männern und Frauen in Augsburg kain goldt zu tragen auferlegt hatte.[5] Zudem hatten doch gerade erst die Reichsabschiede von Lindau 1497, Freiburg 1498 und Augsburg 1500 reichsweit für die Bürger in den Städten generell kain Gold festgelegt, ja selbst noch für den nicht ritterlichen Adel kein Gold, noch Perlin offentlich. Auch die Reichspolizeiordnung (RPO) von 1530 gestattete (mit gewissen Ausnahmen, s. unten) erst dem Adel goldene Ketten; jedoch bekamen die kauff- und gewerbßleute sowie Burger in stetten, so vom radt, geschlechten, und sunst irer zinß und renthen geleben jetzt erstmals – anders als die übrigen Bürger (Krämer, Handwerker, gemeine Bürger) – Gold erlaubt, und zwar in Form von Ringen, wogegen über goldene Ketten bezeichnenderweise keine Aussage getroffen wurde; die Lage ließ sich wohl nicht so eindeutig fixieren (was genauer betrachtet werden soll). Die besondere Bedeutung des Distinktionsmerkmals goldene Ketten ergibt sich allein schon aus dessen feinster Stufung in der RPO, nämlich von keinen Ketten erwähnt (Bürger einschließlich Patriziern) über dreifach gestufte Wertbegrenzung (‚einfache’ Adlige samt Fürstenräten, dann Ritter, dann Grafen), Doktoren freigestellt, Narren an Fürstenhöfen erlaubt, bis zu den in der Ordnung nicht reglementierten Fürsten. Goldene Ketten der Männer sollten also den Reichsgesetzen nach (bis auf die genannten Ausnahmen) zur Unterscheidung zwischen Patriziat und Adel besonders geeignet sein.[6]
Wenden wir uns einem anderen Medium zu, den repräsentativen bebilderten Geschlechterbüchern (Familiengenealogien), die sich nur beim Adel und bei den Patriziaten von Nürnberg und Augsburg[7] sowie in kleinem Umfang von Frankfurt am Main[8] entwickelten mit deren hohem, adligem Selbstverständnis. So hatte der Frankfurter Patrizier Johann Maximilian zum Jungen 1632 in seiner Frankfurter Geschlechterchronik formuliert: weilen heutiges tages Augspurg, Nurnberg, Ulm und Franckfort allein adeliche Patricios haben.[9] Ebenso führte der Kemptener Syndikus Dr. Michael Praun in seinem Werk über die adelichen und erbaren Geschlechter in den vornehmsten freyen Reichs Städten 1667 genau diese Vier unter allen Städten im Reich als Erste an.[10] Auch Jakob Bernhard Multz[11] betonte 1690 die rechtmässig erworbenen adligen Rechte der Ratsmitglieder und Richter nur von Nürnberg, Augsburg, Ulm und Frankfurt.[12] Gerade in den Illustrationen der Geschlechterbücher würde man also wohl am ehesten – wenn überhaupt – goldene Ketten bürgerlicher Männer erwarten. Jedoch, ein Blick auf das erste komplett edierte solche Buch, die Frankfurter Chronik Eisenberger mit ihren rund 200 Kostümfiguren, vergrößert die Verblüffung: Im Gegensatz zum Adel tragen hier die Patrizier durchweg, selbst wenn sie jungen Adel vorweisen können, ihre goldenen Anhänger nur am Bande und nicht an goldenen Ketten (Abb. 4).[13]
Bei solchen Unterschieden im bildlichen Befund stellen sich Fragen: Sind die goldenen Ketten der Männer überhaupt als eines der wichtigsten äußerlichen Unterscheidungsmerkmale zwischen Nicht-Adel und Adel anzusprechen, wie von den RPO nahegelegt? Dabei böten die goldenen Ketten viele Vorteile: Sie sind häufig dargestellt, auf Bildern leicht identifizierbar und in KO wiederholt geregelt. Zudem hat sich die neuere Forschung intensiv mit dem Übergangsprozess Nicht-Adel/Adel beschäftigt; bekanntlich wurde, wer als adlig anzusehen war und wer nicht, auch in symbolischen Kämpfen ständig neu ausgehandelt.[14] Gab es Freiräume der lokalen Obrigkeiten, wie nutzten die Reichsstädte diese? Spielten die Reichsstädte und ihre Patriziate, speziell Augsburg, Nürnberg, Ulm und Frankfurt eine Sonderrolle? Wie wurden die goldenen Ketten in Norm und Praxis gehandhabt? Welche Entwicklungen sind zu verzeichnen? Sind bei obigem Augsburger oder anderen Bildern etwa Verletzungen der KO im Spiel? So verfolgt eine kürzlich vorgelegte Bielefelder Studie von Neithard Bulst, Thomas Lüttenberg und Andreas Priever den hochinteressanten Ansatz, dass im Gegensatz zum öffentlichen Raum das Porträt noch mehr Freiräume für die soziale Repräsentation geboten habe und stellt anhand der Porträts von Christoph Amberger der Jahre 1530-1533 einige wenige „nicht geahndete Verstöße“ bei Augsburger Kaufleuten vor, mit – per goldenen Ketten oder dunklem Rückenmarder – bildlich reklamiertem höheren Status.[15] Bei seinen umfassenden Arbeiten zum Ehrenbuch der Fugger, einem ebenfalls reich bebilderten Geschlechterbuch, sieht Gregor Rohmann pauschal Verletzungen der KO: „Die Ausstattung der Fugger mit Goldketten, Ringen, Agraffen und Perlenketten spricht nun nicht nur allen Kleidernormen erkennbar Hohn [...]“.[16] – Vor dem Hintergrund dieser Fragen versucht der vorliegende Beitrag für die goldenen Ketten der Männer erstmals und auf breiter Basis, d.h. mit möglichst vielen Bildern, im Vergleich von Augsburg mit Nürnberg, Ulm und Frankfurt, sowie darüber hinaus, vor dem Hintergrund des sozialen Status der einzelnen Dargestellten einschließlich verfassungsrechtlichem Umfeld[17] eine Übersicht über die Entwicklungen der KO[18] und der zugehörigen (bildlichen) Praxis von Mitte des 15. bis Mitte des 17. Jahrhunderts zu gewinnen.[19]


1. Entwicklung der Kleiderordnungen

Die ständische Differenzierung war bekanntlich in den KO festgehalten. Zentrales Anliegen der Kleidergesetzgebung war einerseits „die Regelung der sozialen Zuordnung von Ständen, Schichten, Gruppen und Eliten, ihre Hierarchisierung sowie die Festschreibung bestehender Zustände“;[20] verboten war das (symbolische) Präsentieren und sichtbare Konsumieren von Reichtum ohne den entsprechenden Stand zu haben, nicht jedoch Reichtum selber, auch nicht der Besitz etwa goldener Ketten.[21] Andrerseits wurden neben der Regelung der sozialen Zuordnung „wirtschaftsprotektionistische Intentionen“ verfolgt[22] und schließlich sollten die Bürger und Untertanen vor unnötiger Verschwendung und Verausgabung geschützt werden. Schon Michel de Montaigne erkannte in seinem Essay ‚Über die Luxusgesetze’ (1572/80), dass diese das Gegenteil bewirkten, indem sie zu mehr Aufwand anreizten und damit eher zur Instabilität der ständischen Ordnung beitrugen, weshalb er zum Dämpfen des Anreizes den Vorschlag machte, bestimmten Luxus wie Purpur und Goldschmuck nur noch Gauklern und Kurtisanen zu erlauben.[23] – Zu Augsburg liegen größere vergleichende Übersichten und Analysen zur Kleidergesetzgebung noch nicht vor,[24] jedoch zu Bayern insgesamt (Veronika Baur, 1975).[25] Ähnliches gilt für Ulm, für das Hans Hasenöhrl 1924 die KO bis 1465 behandelte, die Carl Mollwo im Rahmen des Roten Buchs 1904/05 herausgegeben hatte.[26] Dagegen hat schon 1861 Joseph Baader die Polizeiordnungen Nürnbergs vom 13. bis 15. Jahrhundert zusammenfassend ausgewertet.[27] 1984 untersuchte Julia Lehner ausführlich die Mode im alten Nürnberg vor dem Hintergrund der KO.[28] 1990 hat Jutta Zander-Seidel ihr Standardwerk zum textilen Hausrat in Nürnberg mit einem Kapitel ‚Kleidergesetzgebung und Realität’ herausgebracht; 1993 analysierte sie dann grundlegend die Entwicklungen der Kleidergesetzgebung im Verhältnis zur städtischen Ordnung am Beispiel Nürnbergs.[29] Armin Wolf edierte bereits 1969 in seiner Sammlung Frankfurter Gesetze einige frühe KO.[30] Inke Worgitzki würdigte 2000 die Entwicklungen der KO dort generell und stellte dabei u.a. vorbildliche, vergleichende Tabellen zu deren Inhalten 1576-1731 auf; 2002 hat sie die Thematik mit Schwerpunkt Frühe Neuzeit weiter vertieft.[31] Anja Johann schließlich analysierte 2001 die Sozialdisziplinierung (einschließlich Polizeiordnungen bzw. KO) in Frankfurt mit Schwergewicht auf der Mitwirkung der beteiligten Bevölkerung.[32] Die meisten der genannten Arbeiten handeln überwiegend von Frauen; schon die Quellen scheinen für Frauen ergiebiger zu sein.[33] Auch die einzige mir bisher bekannte Untersuchung zu Schmuck als Distinktionsmittel vor dem Hintergrund der Luxusordnungen diskutiert die Frauen der vier Stände in Braunschweig, die sich durch Ketten und Anhänger aus Gold bzw. Silber unterscheidbar präsentierten.[34] Keine der erwähnten Arbeiten geht ausführlicher auf die goldenen Ketten der Männer ein.
Die Reichsgesetzgebung kam als „zwischen Kaiser und Reichsständen vereinbarte Rahmengesetzgebung“ zustande, die „Grundsatznormen vorgab“; ihre Entstehung vollzog sich als „vielschichtiger Kommunikationsprozeß zwischen Landesherren, Zentralbehörden, Lokalverwaltungen […] bis hin zum einzelnen Bürger oder Untertan“ mit dessen Möglichkeiten von Eingabe, Beschwerde oder Supplikation; sie hatte „konsensualen“ bzw. „Vertragscharakter“; „die Mehrheitsbeschlüsse des Reichstags bzw. die Reichsgesetzgebung“ besaßen „für alle Reichsglieder und deren Untertanen Geltung“; eine Ausnahme bildeten „neben steuerlich relevanten Beschlüssen“ nur „althergebrachte Rechte und Privilegien der Reichsstände, die durch Reichsgesetze nicht unmittelbar geschmälert“ werden konnten; „die Reichspolizeiordnungen“ flossen „in modifizierter Form in die territoriale Policeygesetzgebung ein“ oder es wurden „spezifische Ausführungsgesetze erlassen“, daneben „existierte“ aber auch „eine davon weitgehend unbeeinflußte Normgebung“.[35] Die RPO verlangten in ihren Schlussbestimmungen stets, dass alle Punkte strenglich gehalten und volnzogen werden sollten. Zusätzlich räumten sie für den Bereich der KO ein, dass die Bestimmungen von den lokalen Obrigkeiten verschärft werden könnten. In den Schlussbestimmungen wurde 1530 und 1548 dagegen allgemein darauf hingewiesen, dass es eyner yeden oberkeyt […] unbenommen sei, diß unser ordnung nach eyns yeden landts gelegenheyt einzuziehen, zu ringern und zu meßigen, aber inn keynen weg zu erhöhen oder zu meren. Dies ließ insgesamt den lokalen Obrigkeiten (inclusive Reichsstädten) durchaus und generell Gestaltungsspielräume, auch als „salvatorische Klausel, die eine Fortgeltung älterer Partikularrechte zuließ.“[36] Dieser Eindruck wird bei den KO für Burgern, Bawern, unnd andern underthanen noch verstärkt (RPO 1548 und 1577): Für die genannte Gruppe wurden im Gegensatz zum Adel keinerlei Detailvorgaben mehr gemacht, sondern alle Obrigkeiten angehalten, innerhalb eines Jahres eine den jeweiligen lokalen Gegebenheiten entsprechende KO zu erlassen. (Dies macht ebenso aufmerksam, wie die eingangs erwähnte Erlaubnis der RPO 1530 Gold zu tragen für Kaufleute und Patrizier in Form von Ringen, hier war offensichtlich etwas im Flusse, was noch genauer betrachtet werden soll.) Übrigens könne bei der lokalen Umsetzung „aus der Häufigkeit von Normübertretungen nicht prinzipiell auf den Grad der Nichtgeltung von Normen geschlossen werden. Die stereotype Klage der Obrigkeit über Nichteinhaltung sei vielmehr ein funktionales Argument gewesen: Normgebung als Prozeß bedarf der Feststellung von und der Rechtfertigung durch Nichteinhaltung der Gesetze bzw. Devianz, die sie durch Fortschreibung und permanente Etikettierung abweichender Verhaltensweisen bestätigt bzw. neu schafft.“ So Karl Härter, der zur Begründung auch die mündliche Publikationspraxis nennt, die auf Wiederholungen angewiesen war.[37]
Eine vergleichende Übersicht über die Bestimmungen der lokalen KO in Augsburg, Nürnberg, Ulm und Frankfurt[38] einschließlich der Reichsgesetze bezüglich goldener Ketten der Männer gibt Tab. 1a.[39]. Bis Ende des 15. Jahrhunderts gab es unter den Bürgern der Städte praktisch keine Differenzierung nach Ständen; der Adel war von den Ordnungen von Augsburg, Nürnberg, Ulm, Frankfurt nicht berührt und schon früh die Doktoren und Lizenziaten freigestellt (Frankfurt 1468); [40] goldene Ketten sowie Marder bei den Männern wurden weitgehend noch nicht erwähnt; in Augsburg wurde 1453 den Bürgern alles Goldene verboten, verdeckt oder offen getragen, heimlich oder öffentlich, ausgenommen im Turnier gewonnene goldene Ringe; 1466 ganz ähnlich, womit auch goldene Ketten untersagt waren. Nürnberg erlaubte 1501 seinen Bürgern – ebenfalls noch nicht in Stände unterteilt – goldene Ketten mit einem Wert bis zu 50 fl., nicht offen aus dem Wams heraus gehängt [41] und sofern von alterß hero vheig. 1516 war das Tragen goldener Ketten weder verdeckt noch unverdeckt gestattet und Zuwiderhandeln mit Buße bedroht, sofern der Betreffende sich dess mit seinem aid unnd rechten nicht benennen möcht, was wohl dem von alterß hero vheig entsprach. 1536 und 1562 kehrte der Rat zur Fassung von 1501 zurück,[42] d.h. über die gleich zu besprechende RPO von 1530 hinaus. Der einschränkende Passus ‚sofern von alters her fähig’ (befugt) wird uns hinfort häufiger begegnen; in Nürnberg lässt er sich bereits 1447 beim Verbot der goldenen Kronen auf den Wappenhelmen nachweisen;[43] jedoch war bereits anderthalb Jahrhunderte später in Frankfurt nicht (mehr?) ganz klar, wer genau mit solcher Formulierung gemeint war.[44] Die Ulmer Ordnungen erwähnen 1376-1426 goldene Ketten der Männer nicht. In Frankfurt waren 1488 für die Bürger ausdrücklich goldene Ketten verboten. Dagegen wissen wir, dass goldene Ketten als Ordensketten bereits das ganze Jahrhundert und früher getragen worden sind.[45] Auch Nicht-Adligen konnten solche verliehen werden, etwa im Rahmen einer Jerusalem-Pilgerfahrt, was dann zu Konflikten mit den städtischen Ordnungen führen konnte, wie der Fall des Johann von Rückingen 1488 in Frankfurt lehrt.[46]
Die RPO von 1530 stufte goldene Ketten bei den Männern des Adels sehr fein ab: Der ‚einfache’ Adel durfte Ketten bis zu einem Wert von höchstens 200 fl. tragen, den sie jedoch mit einem Schnürlein umbwinden, oder durchziehen sollen, wie von Alters herkommen, die Ritter jedoch bis 400 fl., ohne Schnürlein, und die Grafen und Herren bis 500 fl., also feinste Distinktion innerhalb des Adels[47]. Für die wohl eher als diskriminierend empfundenen Schnürlein fehlen – verständlicherweise – bildliche oder textliche Beispiele.[48] Falsches Gold, d.h. unedles Material vergoldet, war verboten, ausgenommen ab 1548, was zu der Ehr Gottes geschicht;[49] man sollte also i.d.R. ‚nicht so tun können, als ob’. Der dunkle Marderpelz als Futter wurde zum Distinktionsmerkmal ab Burger in Stetten, so vom radt, geschlechten, oder sunst fürnemlich herkommen seind, und ihrer zinß und renthen geleben. Dagegen durften die Kaufleute höchstens Futter der hellen Marderkehlen tragen.
In Augsburg wurde 1582 ihrem alter herkommen nach der gesamten Herrenstube, d.h. Patriziern und Zünftlern, das Tragen goldener Ketten erlaubt, als ob alle Herrenstubenmitglieder im Sinne der RPO von 1530 adelsgleich gewesen wären; ‚qualifizierten’ Kaufleuten wurde der dunkle Rückenmarder gestattet wie Ratspersonen und Geschlechtern in der RPO 1530, auch hier also über diese hinausgehend (ähnlich Ulm 1574 Kaufleute, so nit zu offnen Laden sitzend, bzw. 1583 Nürnberg Erbern Kauff unnd Handelsleuthe […], die für sich selbsten ehrliche tapffere handtirungen und gewerb auf ir gefahr und wagnus treiben); die Stadtpfleger wurden den Rittern und Doktoren gleich-, d.h. freigestellt.[50] Augsburg stufte 1668 mit entsprechender Binnendifferenzierung der Herrenstube die Ketten der ‚Mehrer’ durch Wertbegrenzung auf 40 Reichstaler ab (1683 auf 100), die patrizischen Mitglieder blieben – wie bisher und nur dort – ohne Wertbegrenzung, eine Differenzierung, die 1735 noch verstärkt wurde. Goldene Ketten wurden in Nürnberg 1568 und in Frankfurt 1576 den Männern unabhängig vom Stand (!) erlaubt, allerdings nur für Einzelne, sofern von alters her dazu fähig, begrenzt auf einen Wert von 100 bzw. 150 fl., jedoch ohne Beschränkung auf verdecktes Tragen; Ulm erlaubte sie 1574 ihrem alten herkommen nach insgesamt den Geschlechtern auf 100 Kronen und eine Kette begrenzt; im Gegensatz zu Augsburg waren dort goldene Armbänder nicht erlaubt. 1583 wurde dann in Nürnberg die Wertbegrenzung bei den Ketten für Ratsmitglieder aufgehoben, für die anderen lag sie mit 120 fl. etwas höher als zuvor; 1618 und 1693 ging es ähnlich weiter. In Frankfurt wurden 1621 die goldenen Ketten nur noch Deß heil. Reichs Gerichts Schöffen allhie, unnd die Erbarn von Geschlechten bis 150 Kronen erlaubt, ähnlich 1640/46 bis 200 Kronen. Ab 1671 wurden in Frankfurt die goldenen Ketten nicht mehr erwähnt. Auch Experten werden damals ihre Schwierigkeiten gehabt haben, diese fein differenzierten goldenen Ketten in der Praxis stets direkt voneinander zu unterscheiden und damit den Stand des Trägers zu bestimmen, zumal das Zeigen eines in den KO erlaubten Merkmals ja bei keiner sozialen Gruppe Zwang war; weniger war immer erlaubt.[51]
In den Polizeiordnungen bzw. KO weiterer Reichsstädte und Territorien wurden, goldene Ketten der Männer wenig thematisiert. Eine Übersicht einiger Ordnungen zeigt Tab. 1b[52]: Noch Mitte des 16. Jahrhunderts bekam der erste Stand[53] im Kurfürstentum Sachsen nur silberne Ketten wertbegrenzt erlaubt und im ländlichen Rheingau (Kurfürstentum Mainz) die Frauen kein geschmucks von gold oder silber; im Herzogtum Württemberg wurde immerhin schon das Tragen von Ehrengeschenken anderer Fürsten akzeptiert. Hamburg ließ 1585 für seine Gesandten frei, was zu Ehren der Stadt gezieme; solches war bezüglich goldener Ketten ausweislich der Bildnisse auch anderwärts üblich.[54] Erst für 1598 findet sich mit Weißenfels eine KO, die goldene Ketten für Ratspersonen und vermögende Bürger tolerierte, allerdings mit dem bescheidenen Wert von 50 fl. Ab dem frühen 17. Jahrhundert sind dann in weiteren Städten bzw. Territorien Regelungen nachweisbar, bzw. lässt sich auf Tolerierungen schließen[55], die jeweils dem höchsten Stand in den Städten durch goldenen Ketten eine adelsgleiche Präsentation gestatteten[56], alle jedoch ohne das Argument Augsburgs etc. wie von alters erlaubt. In den KO dieser vier Städte wurde dann ab zweiter Hälfte des 17. Jahrhunderts der erste Stand als adlig bezeichnet (Nürnberg schon 1583), nicht jedoch in den meisten der weiter aufgelisteten Städte, wogegen Straßburg 1628 Regiments- und Große Rahtspersonen dem Adel gleich setzte und Memmingen 1718 Die Adeliche Gesellschaft zum guldenen Löwen als Erste Claß bezeichnete.[57] Die Stichprobe unterstreicht somit die herausragende Stellung von Augsburg, Nürnberg, Ulm und Frankfurt im 16. Jahrhundert (s. Ergebnis).


       Tab. 1b: Goldene Ketten der Männer in Kleiderordnungen weiterer Städte bzw. Territorien

Ort/Jahr

Stand

goldene Ketten

Kurfürstentum Sachsen 1546

Der erste Stand (Bürgermeister, Stadtschreiber, Schulmeister)

eine silberne Ketten, doch unvergüldet, und uber dreißig gulden nicht wirdig

Kurfürstentum Mainz: Rheingau 1549

stadthafte burger in der stadt

Verweist eingangs auf RPO 1548; selbst die Frauen und Töchter kein geschmucks von gold oder silber

Herzogtum Württemberg
1549 u. 1567

kauf vnd gewerbsleut in stetten vnd dan auch die so zu gericht, rath vnnd ämbtern gebraucht werden

kein [...] gold tragen, erlaubt: guldin ring; was jemand von einem Fürsten oder Herren an kleidung oder kleinatern geschenckt bekomme, möge er diesem zu Ehren tragen

Hamburg 1585

Die bürgermeistere, rathmann, syndici und secretarien ock der stadt hövetman [Hauptmann]

schoelen sich mit ohrer kleidinge und zyringe ohrem stande gemeth verholden, jedoch mith meticheit [Mächtigkeit]; alse ohnen in legationibus oder sunsten manhafftigen sakenn und handlungen wegen dieser stadt besten [...] dieser stadt tho ehren tho dragen getemeth, ock hir thor stede tho gebrucken frey syn.

Trier 1593/94

Alle, außer Adel

keiner [...] goldene ketten

doctor, burgermeister, scheffen und raths freund samt ihren Weib und Kindern

nicht mehr als zwei ring (golden, auch mit Edelsteinen)

Weißenfels 1598

Von Rathspersonen und vermügenden Bürgern, ihren Weib und Kindern

eine güldene Ketten, viertzig oder zum höchsten funffzig Goldgülden würdig

Stift Bamberg 1616

rathsburger, speziell geschlechter alhier

eine gülde kheten bis 100 Kronen

Herzogtum Braunschweig-
Lüneburg 1618

Adel (ohne Unterteilung!)

goldene Ketten bis 200 Kronen oder Goltgülden

Doctorn, Ihre Frawen, und Kinder

Ihrem Stande, und Freyheit gemeß [...] und zwarn die Jenigen, so unsere Rhäte sein, sollen gemäß RPO 1548 wie Fürstenräte gebrauchen

Lübeck 1619

Herrn der Regierung und des Rahts, bestalte Syndici

keine besonderen Vorschriften, also wohl toleriert, jedoch gemäß herkommens, Standes, etc. (Text siehe Anm. 56)

Straßburg 1628

6. Grad: Regiments- u. Große Ratspersonen sowie Adel

nicht erwähnt, d.h. wohl toleriert, da für 4. Grad verboten und für Adel per RPO erlaubt

5. Grad: Vornehmste Bürger

nicht erwähnt, d.h. wohl toleriert

4. Grad: Vornehme Handwerker

guldene Halßketten verboten

Herzogtum Württemberg
1660

unsere vögt, keller, verwalter, pfleger und ander beampte, so nicht vom adel seynd, auch burgermeister in städten

erlaubt: guldene ring;
verboten: absonderlich den weibern guldene armband und halß-kettelin

Kurfürstentum Sachsen 1661

Adel, Doktoren, Fürstenräte und vornehmer Officirer Weiber

Gute gülden Ketten aber, als mit welchen man sich in der Noth retten kann, mag ein jedes von obigen Ständen, und derer Töchter nach seinem Vermögen tragen [entspricht ständemäßig den RPO]. Alles verboten, so nicht gut gülden.

Lübeck 1671

1. Stand etc. (vgl. 1619)

nicht erwähnt, also wohl toleriert

Alle, so sich ihrer Hände Arbeit ernehren, sampt denen Verleneten, Frauen und Männer

alle güldene Halß- und Handketten [...] verboten

Österreich 1671

Unsere Hof-Cavalier, drey Obern Ständ und würckliche Räth

nicht reguliert, sollen aber überflüssigen Luxus vermeiden

Erste Claß. Unsere Kayserl. und Lands-Fürstl. höhere Beambte, und Hof-Bediente

erlaubt, an hohen Fest- und Ehren-Tägen ein guldene ketten von hundert Ducaten und ein Ring von Edelgestein

Lindau
1673/1697

Die geschlechtere und gesellschaft im Sünffzen, [...] ihnen oder ihren frawen

erlaubt guldin ketten, doch daß selbe nicht allzu [durch achzig biß höchst hundert] schwehr

Memmingen 1718

Erste Claß: Die Adeliche Gesellschaft zum guldenen Löwen [im Ulmer Auszug, um 1770?, stattdessen: Erste Claß: von der Burgerstuben]

sollen bescheiden sein, auch wegen herab hangenden Ketten und kostbaren Kleinodien, bey Manns- und Frauens Persohnen einen Underscheid halten, under denen die specialiter durch des Reichs constitutiones privilegirt, oder in führenden Dignitaeten stehen, und under solchen die keine Privilegia für sich haben.

Dinkelsbühl 1733

1. Klasse: Ratspersonen etc.

nicht erwähnt, d.h. wohl toleriert (s. 2. Klasse)

2. Klasse: Stadtoffizianten, äußere Ratspersonen etc.

goldene Ketten erlaubt, so sie etwa von ihren eltern ererbet

Basel 1769

alle

verboten: alles gute und falsche Gold, außer auf ihren biß dato gebräuchlichen Hüthen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 




 

                                          

 

2. Entwicklung der (bildlichen) Praxis

Schriftliche Zeugnisse zur Tragepraxis der goldenen Ketten der Männer gibt es nur wenige. Bildliche Dokumente bieten sich dagegen in großer Vielfalt an.[58] In Augsburg tragen überraschenderweise bereits 1500 im eingangs diskutierten, wohl zumindest als ‚offiziös’ ansprechbaren Tanzbild, alle Herrenstubenmitglieder, auch die zünftischen der Mehrer, goldene Ketten. Neben der politischen Zugehörigkeit zu ihrer Zunft (hier Kaufleute) war ihr gesellschaftlicher Rang Herrenstube. Im Thesaurus Picturarum des Heidelberger Kirchenrates Dr. Marcus zum Lamm (1544-1606), einem vielbändigen Sammelwerk[59], finden sich – mehrere Städte miteinander vergleichend – auch Augsburger Kostümbilder von 1569[60] mit goldenen Ketten. Beim ersten Doppelbildnis heißt es: Der Patriciorum oder Herrenn vom geschlecht, Deren Weyber (Abb. 5, er mit vier goldenen Ketten und dunkelbraunem Marderfutter an der Schaube), sodann: Der Jungen gesellen vom geschlecht, der Jüngfraüwen (der junge Geselle mit zwei kurzen goldenen Ketten und dunklem Futter, kein Pelz), Breitgam vom geschlecht, Braudt (er zwei kurze goldene Ketten, mittelbrauner Pelz) und Deren andere und gemeine tracht, der Mann nur im Wams (sonst stets mit Oberkleidung, Schaube oder Mäntelchen), mit zwei kurzen goldenen Ketten (ohne Degen), d.h. auch die Alltagstracht der Geschlechter mit goldenen Ketten. Die folgenden Männer alle ohne goldene Ketten, zunächst Der Kauffleut Junggesellen unndt Jungfrawenn (Abb. 6, mit goldenem Zahnstocher am Bande);[61] das Futter ist dunkel, kein Pelz; erst der dann folgende Handtwercks Mannen (Abb. 7) zeigt den hellen, weniger edlen Pelz der Marderkehlen[62] (die jungen Gesellen der Geschlechter, Kaufleute und Handwerker trugen also noch keinen Pelz); damit präsentieren sich im Thesaurus die Augsburger entsprechend der KO von 1582. Diese erlaubte ausdrücklich (wie oben ausgeführt) der ganzen Herrenstube ihrem alter herkommen nach guldene ketten, die Nürnberger 1568 sowie die Frankfurter 1576 diese offensichtlich nur Einzelnen, denen es von alters erlaubt. Die Bilder des Thesaurus aus Nürnberg[63], Basel,[64] Regensburg[65] zeigen dagegen alle keine goldenen Ketten bei den Männern, aus Köln sogar das Bild des Bürgermeisters (Abb. 8, Barthel Bruyn d.J.).[66]
Die Augsburger Tradition des 16. Jahrhunderts goldene Ketten für alle Herrenstubenmitglieder, als ob sie alle adelsgleich wären, hielt also auch gegenüber der RPO stand. Mit diesem durch das ganze Jahrhundert manifestierten Augsburger Befund (Herrenstubentanz 1500, Thesaurus Picturarum 1569, KO 1582) bleiben von der oben genannten Bielefelder Studie keine sicheren Kandidaten des 16. Jahrhunderts für einen Verstoß gegen die KO hinsichtlich goldener Ketten oder Rückenmarder der Männer übrig.[67] Dies führe ich zunächst an den drei abgebildeten Männerporträts mit goldenen Ketten vor und ergänze es dann um das Beispiel mit dunklem Marder: Christoph Graf Fuggers höfisches Habit (mit goldenen Ketten, 1541)[68] ist ohnehin konform zur KO, denn die Fugger von der Lilie sowie die meisten Fugger vom Reh waren seit den 1480er Jahren Mitglieder der Herrenstube; unser Kandidat brauchte also seinen Grafenrang für die goldene Kette nicht zu bemühen; der Fugger-Faktor Jörg Hermann (kleine, möglicherweise eingesteckte Kette und dunkler Marder, 1530) wurde 1528 geadelt;[69] der Kaufmann David von Dettighofen (mit goldener Kette, möglicherweise eingesteckt, und dunklem Marder, 1533) stammte aus adliger Familie;[70] nach seinem Verständnis vom eigenen Stand hat er also, trotz zunächst verweigertem Zutritt in die Herrenstube, goldene Ketten und dunklen Marder tragen dürfen, worauf das Bildnis wohl hinweist, aber keine gesetzeswidrige Anmaßung (Usurpation) und kein sicherer Fall von Verletzung der KO; der Kürschner und bedeutende Kaufmann Wilhelm Merz (dunkler Marder, keine goldene Kette, 1533) heiratete 1532 Afra Rem und wurde dadurch Mitglied der Herrenstube.[71] – Die eingangs zitierte Aussage von Gregor Rohmann zum Ehrenbuch, beim Schmuck der Fugger träten erhebliche Abweichungen von den KO auf, muss somit noch am sozialen Hintergrund pro Einzelfigur überprüft werden, etwa wieweit die in Augsburg für den gesellschaftlichen Rang im Regelfall entscheidende Mitgliedschaft in der Herrenstube den bildlich reklamierten Status berechtigte, oder wieweit ein Status als Fürstenrat bzw. ein schon ab 1511 adliger und ab 1514 gräflicher Rang zutraf, von dem die Fugger in ihrem höfischen Milieu durchaus Gebrauch machten, siehe entsprechende Porträts.[72] Das einzige von Rohmann genannte Beispiel, „man denke an Hieronymus Fugger mit seinen quer über die Brust liegenden dicken Gliederketten“,[73] stellt keine Verletzung dar, da Hieronymus Mitglied der Herrenstube war; der Schulterketten wegen (siehe unten) wäre auch ein zusätzlicher militärischer Rang als Erklärung seiner goldenen Ketten denkbar. – Mitglieder der Herrenstube werden als berechtigt eingestuft.
Bei kommandierenden Militärs scheinen Sonderbedingungen geherrscht zu haben;[74] die RPO von 1530 stellte sie frei und die Augsburger KO von 1582 nahm sie ausdrücklich aus den Regelungen aus. Entsprechendes muss gemäß Bildmaterial auch andernorts gegolten haben; häufig zeigte das Militär schräge Schulterketten. Auch bei Gesandten von Reichsstädten, etwa auf den Reichstagen, finden sich viele goldene Ketten. Für städtische Gesandte war sicher ein imponierender Auftritt angestrebt wie der der Vertreter der Höfe;[75] Gesandte werden deshalb ebenfalls als berechtigt eingestuft. Es fällt auf, dass viele der Fuggerdiener geadelt wurden. Vermutlich konnte, wer wollte und häufig am Hofe war (was für die Faktoren der großen Handelsgesellschaften allgemein galt), relativ leicht einen Adelsbrief, zumindest eine Gnadenkette verliehen bekommen; dies war als Entrée sicher in vielen Situationen ebenfalls zweckmäßig bzw. erforderlich.[76] Ein schönes Beispiel für solche Häufung bietet die ‚Freundschafts-Medaille’ von Matthes Gebel 1531 mit den drei Fugger-Faktoren Henrich Ribisch, Georg Hermann und Konrad Mair,[77] die sich je mit einer goldenen Kette darstellen lassen konnten, aufgrund ihres Doktorgrades, jungen Adels (siehe oben) bzw. Mitgliedschaft in der Augsburger Herrenstube. Die sechs Narren (Pock, Rosen, Scheißpfeng, Singen, der Zwerg des Kardinals Granvella, sowie Schelklin, eher ein Bettler und ‚Original’)[78], sowie drei Anonymi[79], konnten offensichtlich verliehene goldene Ketten tragen, Rosen war sogar geadelt, also alle berechtigt. Die Reichsgesetzgebung versuchte solches ab 1497 zurückzudrängen.[80] Abenteurer u.ä. wurden mit dem von ihnen reklamierten Rang akzeptiert: Nikolaus von Gülchen als Doktor (gefälschtes Doktordiplom) sowie Hieronymus Scotus, der als Graf auftrat; ebenso wurde der Wiedertäuferkönig Johann van Leyden als Fürst gezählt. – Am Hof Kaiser Rudolfs II. in Prag, gab es viele Künstler, die sich mit goldenen Ketten darstellen ließen, sei es vom Kaiser nobilitiert (wie Hans von Aachen)[81] oder mit kaiserlicher Gnadenkette (wie Bartholomäus Spranger)[82]; später verlieh z.B. Kaiser Leopold goldene Ketten und einen Gnadenpfennig an Matthäus Merian d.J.;[83] Albrecht Dürer (+1528) mit goldener Kette zu vermuten erscheint als etwas früh, war in Nürnberg aber immerhin, wenn auch mit Einschränkungen, erlaubt.[84]


3. Statistik der Bilder

Genauer wurden über 700 Bilder[85] untersucht, zunächst 580 ohne bebilderte Geschlechterbücher (BGB). Nach weiteren Reduzierungen[86] verblieben 450 näher betrachtete ‚Fälle’[87]. In den vier Reichsstädten Augsburg, Nürnberg, Ulm und Frankfurt sind hiervon zunächst nur 85 von 198 Kettenträgern (43%) berechtigt, d.h. nach bisheriger Anschauung direkt erklärbar. Ohne tiefere Analyse müßte man also von einem Potential für Verletzungen gegenüber den KO von über der Hälfte (!) ausgehen. Weitere 31 Fälle sind jedoch definitiv durch Herrenstubenmitgliedschaft erklärt, womit Augsburg keine ungeklärten Fälle mehr aufweist;[88] Gleiches gilt für zwei Geschlechter-Fälle in Frankfurt nach 1621 und acht für Regierungsfunktionen dort.[89] 22 weitere sind als kommandierende Militärs bzw. als Gesandte deutbar; 14 sind nach 1600 Bürgermeister oder Räte Nürnbergs.[90] Fünf zunächst ungeklärte Fälle bei Narren können ebenfalls als berechtigt gelten, s. oben. Mit diesen weiteren 81 Fällen steigt der Anteil der ‚Berechtigten’ in unseren vier Städten auf 166 (84%) und das Potential des zunächst ungeklärten Anteils (?, G, B) sinkt auf 32 (16%); dieser Stand ist als Ausgangspunkt für weitere Überlegungen in Tab. 2a festgehalten.[91]

Tabelle 2a: Goldene Ketten in Bildnissen (ohne Fürsten/Grafen/Anonymi, ohne BGB)

Ergebnis

Augsburg

Nürnberg

Ulm

Frankfurt

A+N+U+F

Weitere

Summe

?
G
B

--
--
--

6
11 /  --
13 /  --

--
--
--

--
2 / --
-- / --

6
13 /  --
13 /  --

10
--
--

16
18 /  --
20 /  --

unklar
berechtigt

--
54

30 /  6
70 /  94

--
19

2 / --
23 / 25

32 /  6
166  / 192

10
225

54 /  16
336  / 374

Summe

54

100

19

25

198

235

390


 

 


 
 

Nürnbergs hohe Zahl der zunächst noch unklaren Fälle Bürgermeister (B) und Geschlechter (G), meist Ratsmitglieder, nämlich 24 von 100 (80% der Unklaren!), verlangt eine gesonderte Betrachtung.[92] Sie bedeutet für die Bildnis- und wohl auch die Tragepraxis dort, dass goldene Ketten von Geschlechtern und Bürgermeistern auch weit vor 1600 gezeigt wurden; die von 1501 bis 1562 gültige KO scheint – sogar unbeschadet vom Nicht-offen-aus-dem-Wams-hängen-lassen -dürfen – so ausgelegt worden zu sein; denn anders ließe sich eine solch große Zahl von Abweichungen nur in Nürnberg nicht erklären; zumindest müssten sich Spuren in den Akten finden. In der jeweils rechten Spalte werden deshalb die G- und B-Fälle als berechtigt angenommen, auch die zwei Geschlechter in Frankfurt, Claus Stalburg der Reiche 1504 und Jakob Stralenberg 1506.[93] Bei den vier Reichsstädten bleiben ungeklärt dann nur noch 6 (3,0%, rechte Zahl) und insgesamt nur noch 15 (3,3%). Dabei wissen wir wenig darüber, welchen Zeitverlauf die sich in Nürnberg einstellende Praxis nahm und welchen Charakter im Sinne ‚öffentlich’ versus ‚privat’ die einzelnen Bildnismedien einnahmen (bei Medaillen und Gemälden wäre ein privater Schwerpunkt denkbar)[94]. Für Nürnberger Geschlechter ohne Amtsfunktion erscheint ein offenes Tragen regelmäßig und alltäglich (wie in den Augsburger Beispielen des Thesaurus Picturarum) in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts eher als unwahrscheinlich.[95] Zumindest nach 1600 wurden Ketten in Nürnberg bei offiziellen Anlässen gezeigt, siehe oben. Dabei unterstreicht das regelmäßige Präsentieren von ‚Amtsketten’ bei Bürgermeistern und Ratsherren Nürnbergs auf offiziellen Anlässen sichtbar die Bedeutung ihres Amtes.[96] – Die Lösung der in Anhang 1 zusammengefassten noch ungeklärten Fälle bedarf der genauen Kenntnis der sozialen Einstufung. Dabei erschienen zunächst zwei Beispiele als besonders verdächtig für eine Verletzung der geltenden gesellschaftlichen Norm: Gastel Fugger und Jakob Pflaum; Gastel Fugger war jedoch Faktor einer großen Handelsgesellschaft und andere Mitglieder der Familie Pflaum ebenfalls (Jakob Pflaum selber ließ sich bisher noch nicht in den Quellen identifizieren); sie hatten also leicht Zugang zu Höfen und damit die Möglichkeit, zumindest eine Gnadenkette zu erlangen. Ähnliches gilt u.a. auch für Wolf Fechter (vgl. oben zu den Faktoren großer Handelsgesellschaften). – Im untersuchten Bildermaterial fallen wenige Beispiele von ins Wams eingesteckten goldenen Ketten auf,[97] alle Ende 15. bis frühes 16. Jahrhundert, vielleicht korrespondierend zu Formulierungen wie in den Nürnberger KO 1501 bis 1562 (siehe oben). Geistliche kommen als Kettenträger nur viermal vor.[98] Die Anonymi entsprechen den Erwartungen: Ketten wurden standesgemäß an Adlige, Doktoren und Narren vergeben.

Tab. 2b informiert über die zeitliche Verteilung der goldenen Ketten von Männern, wie für Tab. 2a definiert (also ohne Grafen, Fürsten, Anonymi, ohne bebilderte Geschlechterbücher).[99] Grafik 1 veranschaulicht hiervon die fett gedruckten Zahlenreihen. Insgesamt wurden somit 297 datierbare Fälle erfasst:[100] Das 16. Jahrhundert begann gleich mit dem Maximum (1520-1550), gefolgt von einer weiteren Häufung (1560-1590), so bei den Orten gleichermaßen für Augsburg, Nürnberg und die weiteren (Ulm und Frankfurt spielen mengenmäßig keine große Rolle). Schon im 17. Jahrhundert lief die Mode der goldenen Ketten der Männer zunehmend aus. Bemerkenswerterweise erreichte die Summe der bürgerlichen Kettenträger R+D+H+B+G – nach kurzer anfänglicher Verzögerung – die Werte des Niederadels (!).[101] – Die Ursachen der Häufungen können verschieden sein, etwa ein bestimmter familiärer oder politischer Anlass (Nobilitierung, Heirat, Reichstage, Kriege usf.), Streben nach Adelsrang, wirtschaftliche und kulturelle Prosperität, zur Verfügung stehende geeignete Künstler, modisches Bedürfnis usf. Der Schmalkaldische und der Dreißigjährige Krieg wird auf beiden Seiten den Bedarf an Gnadenpfennigen sowie Medaillen und damit goldenen Ketten erhöht haben; andererseits sank in solchen Zeiten die Liquidität der potentiellen Auftraggeber meist erheblich. Insgesamt kann man das 16. als ‚das’ Jahrhundert der goldenen Ketten bei den Männern bezeichnen; davor gab es solche praktisch nur beim Adel (insbesondere Hochadel)[102], bzw. Ordensträgern; im 17. Jahrhundert folgte ein langsames Auslaufen. In Frankfurt z.B. wurden die goldenen Ketten ab 1671, wie oben vermerkt, in den Ordnungen nicht mehr erwähnt.
 

Tab. 2b: Zeitliche Verteilung goldener Ketten (297 datierbare Bildnisse)

Jahr

nach Orten

Insge-samt
297

nach Ständen

Augs-
burg
35

 Nürn-
berg
60

Ulm
15

Frank-
furt
11

A+N+U+F
121

Weite-
re
176

Nieder-adel
123

R+D
94

H+B+G
47

Bürger-liche
141

Sonst
33

1480
1485
1490
1495
1500
1505
1510
1515
1520
1525
1530
1535
1540
1545
1550
1555
1560
1565
1570
1575
1580
1585
1590
1595
1600
1605
1610
1615
1620
1625
1630
1635
1640
1645
1650
1655
1660
1665
1670
1675
1680

0
0
0
0
1
0
0
0
1
3
4
2
5
0
2
0
0
0
5
1
2
0
1
0
0
0
0
2
1
1
2
0
0
1
0
0
0
0
1
0
0

0
0
0
0
0
0
1
0
1
8
3
6
5
2
1
0
1
7
0
3
1
1
1
0
5
0
3
0
5
3
0
1
0
0
0
2
0
0
0
0
0

0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
0
0
1
0
0
1
1
2
2
0
0
1
2
0
2
0
1
0
1

0
0
0
0
1
1
0
0
0
0
0
1
0
1
0
0
0
0
0
2
0
0
0
0
0
0
0
1
0
1
0
1
0
0
0
0
1
0
1
0
0

0
0
0
0
2
1
1
0
2
11
7
9
10
3
3
0
1
7
5
6
3
2
2
0
6
0
3
4
7
7
4
2
0
2
2
2
3
0
3
0
1

0
0
0
0
1
0
0
2
6
14
20
11
20
7
7
7
5
9
7
15
9
9
0
2
2
5
2
3
3
1
0
1
0
2
0
4
0
1
1
0
0

0
0
0
0
3
1
1
2
8
25
27
20
30
10
10
7
6
16
12
21
12
11
2
2
8
5
5
7
10
8
4
3
0
4
2
6
3
1
4
0
1

0
0
0
0
0
0
0
1
7
17
11
6
11
5
6
3
3
6
2
10
6
5
1
1
4
2
0
2
2
1
3
0
0
1
2
1
1
1
2
0
0

0
0
0
0
1
0
0
0
0
1
9
7
9
2
1
4
1
6
4
8
4
6
0
1
2
3
3
4
4
3
1
2
0
2
0
2
2
0
1
0
1

0
0
0
0
2
1
1
0
0
4
3
4
6
0
3
0
1
4
3
0
1
0
0
0
1
0
2
1
3
3
0
0
0
0
0
3
0
0
1
0
0

0
0
0
0
3
1
1
0
0
5
12
11
15
2
4
4
2
10
7
8
5
6
0
1
3
3
5
5
7
6
1
2
0
2
0
5
2
0
2
0
1

0
0
0
0
0
0
0
1
1
3
4
3
4
3
0
0
1
0
3
3
1
0
1
0
1
0
0
0
1
1
0
1
0
1
0
0
0
0
0
0
0

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

Die goldenen Ketten der Männer in ausgewählten bebilderten Geschlechterbüchern[103] fasst Tab. 2c[104] zusammen.[105] Zählt man die B- und G-Fälle wie oben als berechtigt, so bleibt zunächst nur einer ungeklärt. Dies ist im Falle der bebilderten Geschlechterbücher trivial, da die betreffenden Familien alle zu den Geschlechtern gehören. Das zunächst noch verbleibende Fragezeichen betrifft Anton Wolff zur Todenwarth (tot vor 1538), einen fürstlich hessischen Amtmann, der als Kommandant der Festung Rüsselsheim Militär und damit berechtigt war.[106] Damit bleiben bei bebilderten Geschlechterbüchern statt 23 (34%) keine ungeklärten Fälle mehr übrig. Zählt man die 69 Fälle der Tabelle 2b zu den 450 von Tabelle 2a hinzu, so bleiben insgesamt nur noch 15 von 519 (2,9%) ungeklärte Fälle übrig.
 

Tabelle 2c: Goldene Ketten in bebilderten Geschlechterbüchern (Auswahl, ohne Fürsten/Grafen)

Ergebnis

Augsburg

Nürnberg

Frankfurt

Weitere

Summe

?
G
B

--
--
--

--
19 / --
1 / --

--
2 / --
1 / --

1 / --
--
--

1 / --
21 /  --
2  / --

unklar
berechtigt

--
3

20 / --
40 / 60

13 / --
-- / 3

1 / --
2 / 3

24 / --
45 /  69

Summe

3

60

3

3

69


 

 

 

 

Zum häufiger diskutierten öffentlichen versus privaten Gebrauch der bebilderten Geschlechterbücher, welcher hier im Hinblick auf die Darstellung von Distinktion interessiert, merke ich an: Auch wenn man eine gewisse Vertraulichkeit bei bebilderten Geschlechterbüchern annehmen muss, darf die in Augsburg gebräuchliche Bezeichnung geheimes Ehrenbuch nicht in unserem heutigen Sinne von ‚geheim’ missverstanden werden.[107] Bei der Deutung des Wortes ‚geheim’ hilft das Grimmsche Wörterbuch mit einer früheren Hauptbedeutung weiter, nämlich ‚vertraut’; der geheime Freund war der vertraute Freund, der geheime Rat der vertraute Rat usw., wobei die Bedeutung ‚vertraulich’ mit enthalten war. Das geheime Ehrenbuch ist somit das einem engeren Kreise im Sinne einer ‚ausgewählten Öffentlichkeit’ vertraute, nicht allgemein zugängliche Familienbuch und in diesem Sinne Privatwissen einer Elite.[108] Im Hinblick hierauf scheint ein „ausdrückliches Geheimhaltungsgebot“ samt Kontrollfunktion der jeweiligen Obrigkeit, wie es in der städtischen Geschichtsschreibung anzutreffen ist, bei den bebilderten Geschlechterbüchern kaum gemeint zu sein.[109]
Eine eindeutige Regel, wann goldene Ketten dargestellt wurden, ist beim Bartholomäus-Haller-Buch (CBH-III) nicht erkennbar, jedoch beim sogenannten Entwurf (CBH-E) bezüglich der goldenen Rüstungen der ‚equites aurati’ einschließlich der goldenen Ketten, siehe unten. Während sich schon das Bartholomäus-Haller-Buch in Verstehen und Wiedergabe der historischen Kleidung, wie später das Hausbuch Melem und die Chronik Eisenberger etwa, auf einem hohen Stand präsentiert, kann dies bei den goldenen Ketten somit nicht eindeutig gesagt werden. Es wird deutlich, dass die ab 1583 entstandene Chronik Eisenberger mit ihren präzisen Informationen zum Schmuck einer späteren, schon genauer arbeitenden Generation von Illuminierern angehört. Auch beispielsweise die beiden bezüglich goldener Ketten äußerst präzisen Rieter-Bücher (1570-1596) können dies beanspruchen, wobei das Rieter Geschlechterbuch durch die umfangreich bebilderte Lebensschilderung von Hanns Rieter d.Ä. (1522-1584) hervorsticht, der genau dann goldene Ketten zeigt, wenn er in der entsprechenden Funktion, als Militär, bzw. im Status, als Ritter, in Erscheinung trat.[110] Beispiele äußerst präziser Wiedergaben von Schmuckdetails in diesen Büchern zeigt neben der Chronik Eisenberger[111] beispielsweise auch das Ehrenbuch Fugger[112].
Entsprechende Entwicklungen im 16. Jahrhundert, wie in Augsburg, Nürnberg, Ulm[113] oder Frankfurt, sind auch in anderen bedeutenden Städten denkbar. Schon die oben mitgeteilten Formulierungen der KO machen auf Hamburg, Lübeck und Straßburg aufmerksam. Im bisher untersuchten Bildmaterial finden sich jedoch keine entsprechenden Hinweise; ein Fall wie Augsburg oder Nürnberg mit großem Umfang von im Bilde dargestellten Kettenträgern erscheint generell als unwahrscheinlich. Lübeck mit der Zirkel-Gesellschaft scheint ein Sonderfall zu sein: Sonja Dünnebeil hat diese Gesellschaft grundlegend untersucht; sie ist die einzige Vereinigung der städtischen Oberschicht, die aufgrund eines kaiserlichen Privilegs (1485) ihr Gesellschaftszeichen an einer goldenen Kette tragen durfte.[114] Schon 1375 beim Einholen von Kaiser Karl IV. in die Stadt durch Bürgermeister, Ratsleute und Junker heißt es, unde beide de raet unde ok de junchere hadden sik kostliken mit golde unde sulvere to der stad ere ghemaket, und der Kaiser habe sie als Herren tituliert, worauf nur fünf Städte Anspruch gehabt hätten, Rome, Venedye, Pisa, Florencie unde Lubeke, wie der stolze Chronist berichtete.[115] Enea Silvio Piccolomini (1405-64) schließlich schrieb, die Ratsherren von Lübeck seien die einzigen in Deutschland, die bei ihren Auftritten mit Goldschmuck geglänzt hätten.[116] Im Privileg von 1485 ist das Gesellschaftszeichen an goldener Halskette dargestellt. Bildnisse von Mitgliedern der Zirkel-Gesellschaft mit goldener Kette und Zirkelanhänger seien jedoch erst ab Mitte 17. Jahrhundert überliefert.[117] Ein Beispiel ist das Porträt des Gottschalk von Wickede (nach 1667, 1654 nobilitiert) mit feiner, lang herunterhängender goldener Kette, samt Zirkelanhänger.[118] – Die bisher gefundenen Regeln fasst Tab. 3 zusammen:
 

Tab. 3: Regeln zum Tragen goldener Ketten für Männer

gültig

erlaubt für

Grundlage

Altes Reich

Adel

RPO 1530-1577; bildliche Praxis

Doktoren und hohe Beamte von Fürsten

RA 1498 u. 1500, RPO 1530-1577, lokale KO; bildliche Praxis

Gesandte (auch von Städten)

bildliche Praxis; teilweise lokale KO

kommandierende Militärs

RPO 1530, lokale KO; bildliche Praxis

Narren an Fürstenhöfen

indirekt: RA 1497-1500, RPO 1530-1577; bildliche Praxis

Augsburg

Herrenstube, ihrem alten Herkommen nach; 1735 patrizische Ratspersonen wie bisher

KO ab 1582; bildliche Praxis ab 1500

Ulm

Geschlechter, ihrem alten Herkommen nach

KO ab 1574

Nürnberg

Einzelne, die es von alters befugt; ab 17. Jh. ratsfähige Geschlechter, von alters befugt

KO ab 1501; bildliche Praxis ab 1511 [geändert 08.05.2009]

Frankfurt

Einzelne, die es von alters befugt; ab 17. Jh. Geschlechter u. bestimmte Amtsfunktionen

KO ab 1576; bildliche Praxis ab 1504

Lübeck

Zirkelgesellschaft (Ordenskette); Ratsmitglieder bei offiziellen Anlässen

kaiserliches Privileg 1485; laut alter Chronik Gold schon 1375

Diverse Weitere
ab 1598

i.a. Ratsmitglieder

diverse KO, vgl. Tab. 1b

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Abschluss sei noch – sehr unvollständig – auf andere Länder geblickt: Bereits eine erste Stichprobe an Medaillen zeigt, dass in Italien die Männer viel sparsamer goldene Ketten zeigten, als in Deutschland.[119] Dieses Ergebnis scheint den der historischen Kostümkunde seit langem bekannten spöttischen und satirischen Bemerkungen zu entsprechen, dass „die Deutschen des 16. Jahrhunderts besonders versessen auf Kleiderprunk“ gewesen seien,[120] „sich das 16. Jahrhundert durch ein nie zuvor in gleicher Weise zur Schau getragenes Schmuckbedürfnis“ auszeichnete[121] und „dem angeborenen Sinn des Italieners für die große […] körperhafte Form, auch im Kostüm, […] eine naive Putzsucht in deutschen Landen“ gegenüberstehe[122]. Florentiner Inventare zeigen, dass auch Männer in luxuriösem Umfang Schmuck besaßen, aber zumindest im 15. Jahrhundert nicht unbedingt auf Bildnissen zeigten; im übrigen seien von der Luxusgesetzgebung bei Schmuck nur Ritter, Richter und Ärzte ausgenommen gewesen (also ähnlich RPO 1530).[123] In der Allegorie ‚Festessen und Reigentanz des allgemeinen Friedens’ (zum Ende des Dreißigjährigen Krieges, mit französischer Unterschrift, um 1648/50) trägt unter neun personifizierten Nationen nur der Deutsche goldene Ketten und zwar gleich drei; nur er und der Spanier sind in Kostümen des 16. statt des 17. Jahrhunderts gezeigt, die anderen à la mode, besonders herausstaffiert der Franzose.[124] – Was die englischen KO des 16. Jahrhunderts betrifft, so waren goldene Ketten 1533 erst ab Adel erlaubt; auch dort wurde unterschieden zwischen Landadel, Rittern und Hochadel, beides also entsprechend RPO; schon 1604 wurden die Luxusgesetze in England vom Parlament aufgehoben, um dem Anspruch des Königs zu begegnen, sie per Proklamation zu erlassen.[125] Frankreichs ebenfalls zahlreiche Luxusgesetze des 16. Jahrhunderts zeigen laut Pascal Bastien „ein Ungleichgewicht zwischen den Ansprüchen des Adels“ und denen des Monarchen; der französische Adlige am polnischen Königshof (Thesaurus Picturarum, ca. 1573) präsentiert drei goldene Ketten;[126] wie oben (Anm. 23) berichtet verschwand dann dort mit dem früh einsetzenden Absolutismus schon Anfang des 17. Jahrhunderts die Grundlage für die Notwendigkeit einer sozialen Differenzierung unterhalb des Monarchen. – Bei den genannten Ländern deuten die bisher gesichteten KO und Bildnisse für goldenen Ketten der Männer ähnliche, wie die im Alten Reich gefundenen Regeln (Tab. 3) an; das weist auf ein europaweites Distinktionszeichen; herausgehobene Städte wie Augsburg etc. fallen nicht auf; für genaue Aussagen bedarf es noch weiterer Untersuchungen.[127]
 

4. Helmkronen, Wappenhelme und goldene Rüstungen

Zwei weitere, häufig als eindeutig angesehene Distinktionsmerkmale zwischen Patriziat und Adel seien noch – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – zum Vergleich kurz erwähnt, die Helmkronen und Wappenhelme,[128] sowie danach noch als Zeichen für Ritter die goldenen Rüstungen. Der Vergleich der Wappen in einigen Frankfurter Adels- und Wappenbriefen ergibt, die ‚adlige’ Krone auf dem Helm ist für Adelsstatus nicht eindeutig:[129] Der Adelsbrief der Eisenberger 1563 zeigt auf dem offenen, adligen Turnier-, Bügel- oder Spangenhelm eine goldene Krone,[130] ebenso jedoch der Wappenbrief der nicht adligen Rorbach 1470 auf dem bürgerlichen Stechhelm,[131] als goldene Krone auch jeweils im Text ausdrücklich erwähnt. Die Helmform war hier entscheidend für die Charakterisierung, nicht die Krone. – Der geschlossene Stechhelm kann auch mehr dem Turnierhelm angenähert sein, wie der der Holzhausen 1549, ohne Krone, obwohl Adelsbrief.[132] Dagegen ist das Wappen bei Fichard 1541 (mit Krone) durch den Helm mit nur einer Spange deutlich als bürgerlich gekennzeichnet.[133] Ohnehin muss bei den Wappenabbildungen in Wappen- und Adelsbriefen davon ausgegangen werden, dass diese meist von den Einreichenden stammten oder zumindest nach ihren Angaben gefertigt wurden. – Die Übernahme von gekrönten Helmen bei einigen Nürnberger Familien hatte bekanntlich zum Protest des Rates und letztlich zur Stellungnahme Kaiser Friedrichs III. 1470 geführt, es solle gemäß der Nürnberger Ordnung ein ieder in seinem gebührlichen Stand bleiben.[134] Wie im Falle des Johann von Rückingen in Frankfurt kann dies als Hinweis verstanden werden, dass der Hauptwettbewerb unter den Familien des Patriziats selbst stattfand, aus denen sich keine Familie durch zusätzliche Zeichen des Adels sichtbar herausheben sollte. – Die Chronik Eisenberger unterscheidet den noch nicht adligen Großvater des Chronisten mit Stechhelm samt einer Spange als bürgerlich gegenüber seiner adligen Frau mit mehreren Bügeln[135] und beinhaltet in anderen Bildern eine Art Zwischenstufe, halb patrizisch, halb adlig (an sich ‚adliger’ Bügelhelm mit in der Mitte einer ‚bürgerlichen’ Spange).[136] Das Frankfurter Hausbuch Melem, ein bebildertes Geschlechterbuch[137], zeigt für Schwarzenberg und Rorbach eine Zwischenstufe wie im Wappenbrief der Rorbach, den bürgerlichen Stechhelm mit adliger Krone.[138] Auch Jost Amman differenzierte in seinem Stamm- und Wappenbuch durch Helmform und Krone samt Zwischenstufe.[139] Im nicht von den KO reglementierten Bereich wurden also Übergangsstufen patrizisch-adlig entwickelt.[140] Ab dem 17. Jahrhundert wurde dann von den Geschlechtern in Frankfurt, deren Selbstverständnis entsprechend, stets die adlige Helmform benutzt.
Ein weiteres Distinktionsmerkmal zeigt in bislang bekannten bebilderten Geschlechterbüchern nur das Nürnberger Bartholomäus-Haller-Buch:[141] Im sogenannten Entwurf dieses Buches sind alle Ritter mit vergoldeten Rüstungen bzw. Rüstungsteilen gekennzeichnet, d.h. sie werden als ‚equites aurati’ vorgestellt,[142] wie die zur Zeit Karls V. zum Ritter Geschlagenen bezeichnet wurden. Die Ritterwürde haftete bekanntlich im Gegensatz zum Geburtsadel ganz an der Person, berechtigte diese zum Tragen goldener Sporen (Ritter vom goldenen Sporn) und (teilweise) vergoldeter Rüstungen sowie stellte sie in den RPO bezüglich goldener Applikationen an der Kleidung sogar über die Grafen und Herren[143]. Zusätzlich zeigen alle diese Figuren im Haller-Buch goldene Ketten, wogegen die vier ‚Nicht-Ritter’ im Entwurf nur gelbe Ketten aufweisen[144]. Bemerkenswerterweise ist Bartholomäus I. selber 1530 in CBH-E (Nr. 120, +1551) noch nicht als Ritter mit goldener Rüstung dargestellt, jedoch per Nachtrag in CBH-III (ab 1533).[145] – Ein besonders prächtiges Beispiel mit vollständig vergoldeter Rüstung findet sich im Allerheiligenbild (bzw. Anbetung der Heiligsten Dreifaltigkeit, Landauer Altar, 1511) von Albrecht Dürer[146]; wieder ist es ein Haller (Wilhelm IV.), auch zu erkennen am Haller-Wappen auf der Medaille, die er an goldener Kette trägt[147]; die Familie Haller hatte durch Verdienst viele hohe Positionen und Ehrungen erreicht, strebte jedoch, wie manche andere, stets noch weiter; keine andere Familie hat so viele bebilderte Geschlechterbücher produziert und Wert auf diese gelegt[148]; so verwundert die Betonung der goldenen Rüstungen ihrer equites aurati keineswegs. In der Auswertung zu den goldenen Ketten sind übrigens als equites aurati neben Dr. Georg Kanler auch der Maler Tizian, der Hofmaler, Architekt und Biograf Giorgio Vasari sowie der Komponist Ercole Bottrigari[149] aufgeführt. Sehr viel später bekam bekanntlich Wolfgang Amadeus Mozart diesen Rang verliehen.


5. Ergebnis

Die an den KO und über 700 genauer untersuchten Bildern erstmals erarbeiteten Befunde deuten auf eine gewisse Selbstautonomie von Augsburg, Nürnberg, Ulm und Frankfurt gegenüber den Bestimmungen der Reichsgesetzgebung schon im 16. Jahrhundert, die sich so anderwärts bisher nicht feststellen ließ. Die vier Reichsstädte bewegten sich dabei innerhalb des Gestaltungsspielraums, den die RPO generell und ausdrücklich der reichsständischen Gesetzgebung einräumten, nämlich die Bestimmungen bei der lokalen Umsetzung allgemein mäßigen (1530 und 1548) und für KO verschärfen (1530-1577) zu dürfen, bzw. sogar unter Verzicht reichsweiter Vorgaben für die Bürger und anderen Untertanen von den einzelnen Obrigkeiten verlangten, binnen Jahresfrist den jeweiligen lokalen Gegebenheiten entsprechende KO zu erlassen (1548 und 1577); althergebrachte Rechte und Privilegien der Reichsstände konnten durch Reichsgesetze ohnehin nicht unmittelbar geschmälert werden.
Goldene Ketten sind in Augsburg im 16. Jahrhundert durchgehend für die gesamte Herrenstube (Patrizier und Zünftler) ihrem alter herkommen nach in zumindest ‚offiziösen’ Bildern (Tanzbild 1500 sowie im bis ins Detail präzisen Trachtenbuch 1569) und bestätigend in den KO ab 1582 nachweisbar, als ob alle Herrenstubenmitglieder im Sinne der RPO von 1530 adelsgleich gewesen wären. (Ebenso ist in Augsburg 1582 der dunkle Rückenmarder den ‚qualifizierten’ Kaufleuten gestattet, ähnlich Ulm 1574 und Nürnberg 1583, als ob sie im Sinne der RPO 1530 patriziergleich wären.) Nürnberg ließ entsprechend per KO schon 1501 ein nicht offenes Tragen zu und ab 1568 ohne diese Einschränkung; Frankfurt 1576 wie Nürnberg 1568, beide jedoch nur für Einzelne ohne ständische Einschränkung, die es von alters befugt; Ulm 1574 ihrem alten herkommen nach[150] für die Geschlechter insgesamt, die jedoch seit 1552 ohnehin fast alle adlig waren; Nürnberg, Ulm und Frankfurt zusätzlich stets mit Wertbegrenzung, nicht jedoch Augsburg. Dabei kann aus der großen Häufung zunächst unklarer Kettenträger in Nürnberg geschlossen werden, dass die Geschlechter und Bürgermeister dort den Freiraum entsprechend auslegten; auf Grund zweier früher Fälle ist – auch ohne schriftliche Fixierung – in Frankfurt Entsprechendes zu vermuten; Frankfurt bietet daneben das Beispiel der Chronik Eisenberger (1583ff): Der Chronist und Andere seiner Kreise zeigen trotz altem Patriziat bzw. jungem Adel keine goldenen Ketten; sie fühlten sich hierzu wohl nicht von alters her fähig;[151] insgesamt machte Frankfurt von den goldenen Ketten viel weniger Gebrauch, als Augsburg und Nürnberg. Somit sind in Augsburg, Nürnberg, aber auch Frankfurt, entsprechende Traditionen schon um 1500 bildlich fassbar, die in Nürnberg ab 1501, in Augsburg und Frankfurt erst in der zweiten Jahrhunderthälfte in KO fixiert wurden. Für Ulm fehlen noch frühe Bilder; die Einschränkung der KO 1574 auf die alte Tradition macht eine solche davor auch hier wahrscheinlich. Als einzigartig erscheint in allen vier Reichsstädten das Argument ihrem alter herkommen nach bzw. die es von alters befugt, für welches es auch später anderwärts bislang keine Belege gibt. – Die Möglichkeiten der adelsgleichen Präsentation des ‚ersten Standes’ (Ratsmitglieder, Geschlechter usf.) wurden in den Bestimmungen zu den goldenen Ketten der Männer der KO der vier Reichsstädte präzise und nuanciert festgehalten, womit auch ein Stück von deren Verfassung angedeutet wird: In Augsburg war die Mitgliedschaft der Herrenstube (Patrizier und Mehrer) gesellschaftlich maßgebend und in Ulm zählte entsprechend die Zugehörigkeit zu den Geschlechtern; Nürnberg kannte im 16. Jahrhundert keine Zünfte und hatte auch keine Augsburg vergleichbaren Stuben, in Frankfurt schließlich hatte die adelige Gesellschaft Alten Limpurg keinen sich in den KO manifestierenden Rang, weshalb in beiden Städten goldene Ketten nur Einzelnen, die es von alters hero vehig, gestattet wurden (in Frankfurt im 17. Jahrhundert für bestimmte hohe Amtsfunktionen und die Geschlechter).
Die Erlaubnis der RPO 1530 von Gold erstmals für Kaufleute und Patrizier (in Form goldener Ringe, ohne Ketten zu erwähnen) sowie das Vermeiden jeder Detailvorschrift für Kleider von Bürgern, Bauern und anderen Untertanen unter Verweis auf die lokalen Obrigkeiten ab RPO 1548 haben vermutlich – so meine These – mit folgendem Hintergrund zu tun:[152] 1495 bis 1500 wurden die Freien und Reichsstädte erstmals mit Sitz und beratender (jedoch nicht beschließender) Stimme im Reichstag installiert, welche Position sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts festigte; damit waren die Freien und Reichsstädte besser als der Niederadel gestellt.[153] Die Gruppe, die die Städte regierte (Patrizier und ggf. andere am Rat Beteiligte), hatte demgemäß ein lebhaftes Interesse, sich zu distinguieren, ihren neuen Rang auch öffentlich zu zeigen bzw. an anderen zu messen, nicht zuletzt bei Gesandtschaften auf dem Reichstag. Die eingangs diskutierten goldenen Ketten auf dem Augsburger Tanzbild 1500/‚Herrenstubentanz’ sind somit auch als reichspolitischer Anspruch zu verstehen. Insoweit war das ständische Gefüge in Bewegung und ließ sich nicht so ohne weiteres in der RPO fixieren. Dass unter den Reichsstädten nach bisheriger Forschungslage nur Augsburg, Nürnberg und Frankfurt, etwas auch Ulm, bezüglich goldener Ketten in KO bzw. Bildnissen etwas Besonderes waren, hat wohl vor allem mit ihrer Rolle als reichspolitische Zentren zu tun: Augsburg und Nürnberg waren Tagungsort zahlreicher Reichstage; sie stellten zudem eine hohe Zahl kaiserlicher Räte und hatten gleichermaßen auch als die Zentren „oberdeutscher Hochfinanz“[154] intensive Beziehungen zu den Höfen der Habsburger; Frankfurt war Wahl- und Krönungsstadt;[155] Ulm hatte sich als Sitz des schwäbischen Reichskreises gegenüber Augsburg durchgesetzt, auch als Städtetage ausschreibend konnte Ulm 1522 Augsburg ablösen, zu nennen ist ebenso seine Stellung im Schwäbischen Bund (1488-1534);[156] und schließlich bildeten nur Augsburg, Nürnberg, Ulm, Frankfurt und Straßburg die Gruppe von fünf Reichsstädten, die die Städtetage ausschrieben (Versammlungen der Reichsstädte außerhalb des Städtekollegiums, der Städtebank des Reichstages).[157] Von diesen fehlten nur Straßburg vergleichbare reichspolitische Funktionen. Augsburg, Nürnberg, Ulm und Frankfurt waren also die bedeutendsten reichspolitischen Zentren unter den gerade mit Sitz und Stimme im Reichstag installierten Freien und Reichsstädten. Die herausragende Rolle Augsburgs und Nürnbergs bezüglich Bilderproduktion und goldenen Ketten der Männer gründete darüber hinaus in deren Rolle als Wirtschafts- und Handelszentren sowie Kunst- und Humanistenzentren und Frankfurts als Messestadt; Augsburg und Nürnberg waren schließlich (mit Köln) die drei größten Großstädte im Alten Reich[158]. Insgesamt entsprach das am Adel orientierte und per lokaler KO erlaubte Verhalten dem stolzen Selbstverständnis der Geschlechter, dass nur Augsburg, Nürnberg, Ulm und Frankfurt adeliche Patricios hätten, was zumindest ein Stück weit auf deren reichspolitischer Bedeutung, d.h. der besonderen Nähe zu Reich und Reichsoberhaupt fußte, sowie auf dem jeweils vom Patriziat dominierten Rat (Nürnberg und Frankfurt seit längerem, Ulm und Augsburg seit 1548);[159] und „da das (ur)alte Herkommen nach wie vor der wichtigste Verfassungsgrundsatz des Alten Reiches war“,[160] bot sich zur Untermauerung der gar nicht so alten Ansprüche die Formulierung ‚von alters her’ an. – Als weitere Bevorzugte bei den goldenen Ketten der Männer konnten – neben den bekannten Ausnahmen der KO, den Doktoren und hohen Beamten von Fürsten – Gesandte, kommandierende Militärs und Narren an Fürstenhöfen identifiziert werden.[161]
Die festgestellten Traditionen bzw. Ordnungsinhalte in Augsburg, Nürnberg, Ulm und Frankfurt standen somit in keinem Widerspruch zur Reichsgesetzgebung. Vielmehr verblüfft nach bisherigen Vorstellungen zunächst eher, dass es solche Besonderheiten gegenüber der RPO von 1530 nach derzeitigem Stand der Untersuchungen wohl nur sehr selten gegeben hat, bis gegen Ende des Jahrhunderts – außer für Gesandtschaften[162] – nachgewiesen in KO bislang nur für Augsburg, Nürnberg, Ulm und Frankfurt; deren auffällige Rolle kann jedoch nun wie oben erklärt werden. Lübeck mit seiner Zirkelgesellschaft war ein Sonderfall: Schon 1375 beim Einholen Kaiser Karls IV. hätte der Rat Gold und Silber zur Ehre der Stadt getragen.[163] Andere Städte und Territorien begannen gemäß einer größeren Stichprobe von KO ab 1598, goldene Ketten dem ersten Stand zuzulassen; viele weitere blieben aber beim generellen Verbot. Dies weist auf Kommunikation und Abstimmung hin, sowohl unter unseren vier Städten, als auch unter den übrigen Territorien und Städten.[164] Die gefundenen Trends bei den KO, nämlich Einsetzen der ständischen Differenzierung, immer feineres Unterteilen der Standesstufen innerhalb der Bürgerschaft, Binden an Amtsfunktionen, Verschieben der Schwellwerte zu mehr Erlaubtem, entsprechen den allgemeinen.
Mit diesen Befunden lassen sich bei den goldenen Ketten der Männer in Augsburg, Nürnberg, Ulm, Frankfurt und darüber hinaus anhand über 700 genauer untersuchter Bildnisse von 1450 bis 1650 keine eindeutigen Verstöße gegen KO feststellen. (Das ist auch ein relativierender Hinweis, dass es nicht durchweg ‚häufige Verstöße gegen KO’ gab, sowie basierend auf der Vielfalt der übereinstimmenden Quellen, dass die goldenen Ketten der Männer in Bildnissen wohl meist der Realität entsprechen.) Dabei zeigt Augsburg infolge seiner klaren Bestimmungen bezüglich der ganzen Herrenstube trotz reicher Statistik von Vorneherein keine sicheren Fälle für Verstöße, ebenso Ulm (bei kleiner Statistik, nur Adel und Doktoren). In Nürnberg verbleiben auch nur 6 (6%) unklare Fälle, im übrigen Alten Reich 9 (3,6%) und insgesamt 15 (3,3)%. Jedenfalls präsentierten sich Geschlechter von Augsburg, Nürnberg und Frankfurt[165] schon ab 1500 – wohl tolerierter maßen – als adelsgleich mit dem wichtigsten äußerlichen Unterscheidungsmerkmal zwischen Nicht-Adel und Adel, den goldenen Ketten der Männer, was in der zweiten Jahrhunderthälfte dann in KO ausdrücklich sanktioniert wurde, in Nürnberg schon 1501.
Die goldenen Ketten boten ihren Trägern die Möglichkeit, nach innen und außen Herrschaft, Macht und Einfluss zu demonstrieren, so seitens des Adels[166], aber auch seitens der führenden Schicht einer Reichsstadt.[167] Im ständisch ausgerichteten Alten Reich waren diese in Augsburg und Ulm durchweg Zeichen einer ‚korporativen Ehre’, einer Ehre des Standes bzw. der Gruppe (Herrenstube bzw. Geschlechter), die nicht von einem Fürsten abgeleitet war.[168] Gleiches galt für goldene Ketten reichsstädtischer Gesandter auf Reichstagen und reichsstädtischer Ratsherren bei Herrscherempfängen, symbolischer Einsatz im zeremoniellen Umfeld[169], sowie im 17. Jahrhundert in Nürnberg und Frankfurt für die Geschlechter bzw. in Frankfurt auch für bestimmte Amtsfunktionen. Die KO des 16. Jahrhunderts waren der ständischen Distinktion verpflichtet und damit Ausdruck des dynamischen Rangwettstreits neuer und alter Eliten auf der sozialen Leiter.[170] Die ständische Differenzierung setzte in den KO gegen Ende des 15. Jahrhunderts ein, sie blühte im 16. und 17. und sie verschwand mit dem Ausklingen der KO im 18.[171] Regelungen, die in den Städten goldene Ketten solchen erlaubte, die es von alters her befugt, sind von 1501 bis 1693 erhalten. Als Ausdruck dieses Prozesses begann die Mode der goldenen Ketten der Männer um 1500, sie hatte ihren Höhepunkt im 16. Jahrhundert und klang schon mit dem 17. Jahrhundert weitgehend aus. Mit den Kostümen des Barock gab es andere Möglichkeiten an Farbe, Material und modischem Zuschnitt, seinen Rang und Reichtum mit Eleganz zu präsentieren;[172] die dagegen etwas ‚altfränkisch’ wirkenden schweren goldenen Ketten wurden zunehmend verdrängt. In einer Allegorie zum Ende des Dreißigjährigen Krieges trägt unter neun europäischen Nationen nur der Deutsche goldene Ketten (und zwar gleich drei) und ist gemeinsam mit dem Spanier im altertümlichen Kostüm des 16. statt des 17. Jahrhunderts dargestellt; das Merkmal Kette zeugte nun – karikierend überhöht – vom verhaftet Sein in alten ständischen Strukturen. Soziale Veränderungen werden mit den goldenen Ketten als Prozess sogar im Detail messbar[173], siehe etwa die Zunahme von Bildnissen mit goldenen Ketten der Männer Anfang des 16. Jahrhunderts: Die Herrenstube von Augsburg und die Patrizier von Nürnberg folgten nur um wenige Jahre verzögert dem Niederadel, etwa gleichauf mit den Räten und Doktoren; in Summe zogen die bürgerlichen Kettenträger dem Niederadel gleich. Auch der Blick auf die Kronen und Formen der Wappenhelme[174] lehrt: Kein anderes Distinktionsmerkmal wie die goldenen Ketten der Männer vermag so anschaulich , mit klaren Kriterien und als sensibler Indikator sozialer Dynamik die Entwicklungen und Differenzierungen bei der adelsgleichen Präsentation des ersten Standes in den untersuchten vier Städten und weit darüber hinaus[175] zu vermessen. Anspruch[175a] und herausragende Stellung von Augsburg, Nürnberg, Ulm und Frankfurt bezüglich goldener Ketten der Männer im 16. Jahrhundert können nicht zuletzt von ihrer Rolle als reichspolitische Zentren her verstanden werden.

 

ANHANG

1. Ungeklärte Fälle goldener Ketten bei Männern

15 Fälle plus einige Anonymi, in alphabetischer Reihenfolge: Anonym: Diverse Hochzeitstänzer [176]; Hans Eberhausen [177]; Wolf Fechter (1510-1548?) [178]; Gastel (II.?) Fugger vom Reh (Gastulus, Castulus, Castel, 1475-1539/19) [179]; Sebald Geiger (1497-1559) [180]; Jörg Hofmann [181]; Hans Holzer (+1551) [182]; Wolfgang Hopf(er) (geb. 1519) [183]; Heinrich Joham (1507-73) [184]; Hans Leyckmann [185]; Paul Meysinger (Meisinger) [186]; Ulrich Ochs (geb. 1512) [187]; Jakob Pflaum (37 Jahre alt) [188]; Albrecht Scheurl (1482-1531) [189]; Sebastian Wins (geb. 1493) [190]; Kaspar Zinner (1530-1555) [191]
 

2. Quellen zu den Kleiderordnungen [192]

Zu Tab. 1a:
Augsburg:
KO A 1453: StdA A, Reichsstadt, Ratsbücher, Nr. 1, S. 7-12 [Es handelt sich bei dem Band um eine Abschrift von Urkunden und Akten durch Andres Frickinger (um 1400/05-1477), zwischen 1448 und 1467 siebenmal Stadtpfleger, Augsburger Stadtlexikon (wie Anm. 50); KO A 1466: BStB, „Newe policey Ordnung“, in: Cgm 6395, S. 321-327, Kleider: S. 323-327; KO A 1582: StB A, 2° Aug 243/1, Nr. 13; KO A 1668: GNM, 8° Lr 166/1; StB A, 4° S, Nr. 15 u. Nr. 16 (Druck); StB A, 2° Aug 10/2, fol. 579ff; KO A 1683: StB A, 4° Aug 1020, Nr. 49; KO A 1735: StB A, 2° Aug 243, Nr. 18.
Nürnberg: KO N 1382 - 15. Jh.: Siehe Baader, Nürnberger Polizeiordnungen (wie Anm. 27); KO N 1501: StA N, Rep. 40a, SI L587, Nr. 17, fol. 2‘-3 (auf der Rückseite: 1500, die zweite Null überschrieben mit „1“, über beiden Einsern je ein Punkt; dies kann leicht als “1509” verlesen werden, vergl. Lehner, Mode (wie Anm. 28)); KO N 1516: StA N, Rep. 52b, Nr. 235, S. 50-52 (Teil einer Hoffartsordnung, Abschrift 1558); KO N 1536: StA N, Rep. 52b, Nr. 235, S. 73-86; KO N 1562: GNM, Handschrift Merkel, Nr. 841 (in Hoffartsordnung enthaltene KO); KO N 1568: StdA N, A6/I, 1568 Aug. 8; StB A, 4° S 426 Ordnungen Nr. 4, 1568.VIII.8 (Auszug aus Hoffartsordnung, Druck); KO N 1583: StdA N, A6/I, 1583 Juni 22 (Druck); KO N 1618: StdA N, A6/I, 1618 Apr. 28. (Druck); KO N 1657: StdA N, A6/I, 1657 Dez. 17.; KO N 1693: StdA N, A6/I, 1693 Febr. 23. (Druck).
Ulm: KO U 1411, 1420, 1426: Mollwo, Buch (wie Anm. 26) Nr. 418-424 u. 429-445, 428, 446-458; KO 1574: StdA Ulm, A 3678, fol. 427’-437; KO U 1636: StdA Ulm, A 4006, fol. 20-25; KO U 1640: ebd., fol. 75-102 u. 130-145; KO U 1670: ebd., fol. 169-178; KO U 1700: ebd., fol. 341-342.
Frankfurt: KO F 1468: Liegt gedruckt vor: Wolf, Gesetze (wie Anm. 30), Nr. 274, S. 357; KO F 1488: StUB, MS. FF. anon. 4; Druck: Johann Philipp Orth, Zusätze vieler wichtigen und merkwürdigen Matereien [...] zu einer weiteren erleuter- und ausführung [...] über die sogenante erneuerte Reformation, Frankfurt a.M. 1775, S. 387-396; KO F 1490: ISG, Edikte, Bd. 16 , Nr. 1b; KO F 1576: StUB, FfmW 128 (Druck); KO F 1598: StUB, FfmW 126; ISG, Edikte MF, Bl. 4; KO F 1621: StUB, FfmW 796 (ediert: Stolleis, Pecunia (wie Anm. 171) S. 155-164); KO F 1625: StUB, FfmW 797; KO F 1631: StUB, FfmW 798; KO F 1636: StUB, FfmW 799; KO F 1640: StUB, FfmW 791; KO F 1646: StUB, FfmW 792; KO F 1671: StUB, FfmW 793; KO F 1731: StUB, Ffm Wq 20 Erg. 2, Nr. 9.
Reichsabschiede 1497, 1498 u. 1500: Neue und vollständigere Sammlung der Reichs-Abschiede [...], Tl. I-IV, Frankfurt a.M. 1747 [Reprographischer Nachdruck Osnabrück 1967], hier: Tl. II., speziell S. 31, 47-48 u. 78-80.
Reichspolizeiordnungen 1530, 1548 u. 1577: Weber, Reichspolizeiordnungen (wie Anm. 22). 

Zu Tab. 1b:
Lübeck 1467 u. 1475:
Wehrmann, Eine Luxusordnung, in: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 2, 1863/67, S. 508-528. [Diese und die Ordnung von 1454 behandeln nur Frauen.]
Kurfürstentum Sachsen 1546: Lands Ordenung, Wittemberg 1546, [nach Wolter, Teufelshörner (wie Anm. 20) S. 101].
Kurfürstentum Mainz, Rheingau 1549: Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 108, Nr. 1486 (moderne Abschrift).
Herzogtum Württemberg 1549: Wüst, Schwäbischer Reichskreis (wie Anm. 18) S. 501-519.
Herzogtum Württemberg 1567: Des Fürstenthumbs Würtemberg gemeine Landsordnungen, Stuttgart 1567.
Hamburg 1585: [Johann Friedrich Vogt (Hg.)], Die Hamburgischen Hochzeits- und Kleiderordnungen von 1583 und 1585, Hamburg 1889.
Trier 1593/94: Churfürstl. Ordnung des Raths nach ergangenem Kaiserl. urtheil anno 1580 den 13. Juny und Statutenbuch der Stadt Trier 1593-94, in: Quellen zur Rechts- u. Wirtschaftsgeschichte der rheinischen Städte. Kurtrierische Städte 1: Trier, gesammelt und herausgegeben von F. Rudolph, mit einer Einleitung von G. Kentenich und zwei Stadtplänen, Bonn 1915, S. 85-204, speziell (KO): S. 180ff.
Weißenfels 1598: Zitiert nach Wolter, Teufelshörner (wie Anm. 20) S. 101.
Stift Bamberg 1616: Wüst, Fränkischer Reichskreis (wie Anm. 18) S. 472f.
Herzogtum Braunschweig-Lüneburg 1618: PoliceyOrdnung, Deß Hochwürdigen, Durchleuchtigen, Hochgebornen Fürsten, und Herrn, herrn Christians, […] Hertzogen zu Braunschweig, und Lüneburgk, etc., 1618, Celle 1618. – Ausführlich zusammengefasst bei Bodemeyer, Rechtsalterthümer (wie Anm. 34) S. 19-22.
Lübeck 1619: Archiv Hansestadt Lübeck, Mandate, geb. Slg. 13, S. 227-313, gedruckte Luxusordnung mit KO.
Straßburg 1628: Der Statt Straßburg PoliceyOrdnung, (Druck: Johann Carolus) Straßburg 1628, S. 41-56.
Herzogtum Württemberg 1660: Wüst, Schwäbischer Reichskreis (wie Anm. 18) S. 522-526.
Kurfürstentum Sachsen 1661: Codex Augusteus oder Neuvermehrtes Corpus Juris Saxonici […] in richtige Ordnung gebracht von Johann Christian Cünig, 3 Teile, Leipzig 1724, hier: Sp. 1-12, 1456f sowie 1592 (§33).
Lübeck 1671: Archiv Hansestadt Lübeck, Mandate, geb. Slg. 13, fol. 225-226’ (gedruckte KO). [193]
Österreich 1671: Stolleis, Pecunia (wie Anm. 171) S. 165-175.
Lindau 1673/ 1697: Wüst, Schwäbischer Reichskreis (wie Anm. 18) S. 161-191, hier: S. 182-191.
Memmingen 1718: StdA Memmingen (Ediert: Fr. Braun, Revidirte Kleider-Ordnung der Stadt Memmingen v. J. 1718, in: Allgäuer Geschichtsfreund 4 (1891) S. 77-81; Ulmer Auszug (um 1770?):StdA U, A 4006, fol. 350-355’.
Dinkelsbühl 1733: Wüst, Fränkischer Reichskreis (wie Anm. 18) S. 292.
Basel 1769: StA U, A 4006, fol. 331’-335’ (KO in gedruckter Ordnung). 

Weitere Quellen, Regesten und Literatur zu Ordnungen (ohne Hinweise auf goldene Ketten der Männer):
Zahlreiche eingesehene Hochzeitsordnungen bringen zu den goldenen Ketten der Männer keine Bestimmungen.
Bonn: Policey Ordnung der Stadt Bonn, Ernewert und bestättigt im Jahr 1698.
Reichsstadt und Fürststift Kempten: Peter Blickle/Kissling/Schmidt, Gute Policey (wie Anm. 35).
Kur- und Erzstift Köln: Policey Ordnung des Ertzstiffts Cöllen [1595], §18 Von unordentlicher köstlichkeit der Kleidung. In: J . J. Scotti, Sammlungen der Gesetze und Verordnungen, welche in dem vormaligen Churfürstentum Cöln […] über Gegenstände der Landeshoheit, Verfassung, Verwaltung und Rechtspflege ergangen sind, vom Jahre 1463 bis zum Eintritt der Königlich Preußischen Regierungen im Jahre 1816, Erste Abteilung in zwei Teilen, Düsseldorf 1830, hier: S. 166-205, speziell: S. 180ff. – Vollständige Sammlung deren die Verfassung des Hohen Erzstifts Cölln betreffender Stucken […], 2 Bde., Köln 1772-73, hier: Bd. 2, S. 419-420.
Fürstbistum Münster: Benno König, Luxusverbote im Fürstbistum Münster, Frankfurt a.M. 1999.
Kurfürstentum Sachsen mit Dresden 1774ff: Gottfried Schmieder, Des Churfürstentums Sachsen allgemeine und der Residenzstatt Dresden besondere Policey-Verfassung, Bd. 1-3, Dresden 1774-1791, S. 45ff, speziell §2 der KO.
Reichsstadt Ulm, bis 1683: Der Statt Ulm Gesatz und Ordnungen, Wie es in der Statt, und derselben Herrschafft und Oberkeit gehalten werden solle, Ulm 1683. [enthält eine Fülle von Ordnungen ab 16. Jahrhundert]
Weitere: Wüst, Schwäbischer Reichskreis und Ders., Fränkischer Reichskreis (beide wie Anm. 18). – Härter/Stolleis, Repertorium (wie Anm. 18): Es wurden die Bände 1, Deutsches Reich und geistliche Kurfürstentümer, 3.1 u. 3.2, Wittelsbachische Territorien, sowie 4, Baden und Württemberg, auf die Kombination der Stichworte ‚Schmuck’ und ‚ständische Differenzierung’ bis 1750 durchgesehen. [194] 
 

3. Nachweis bebilderte Geschlechterbücher

Chronik Eisenberger: Kunstsammlungen Graf von Schönborn, Schlossbibliothek Pommersfelden, Hs 222; Ehrenbuch Fugger: Fuggermuseum Schloß Babenhausen, Nr. 544; Bartholomäus-Haller-Buch: Archiv der Freiherren Haller von Hallerstein, Abt. Hallerarchiv, Nürnberg-Großgründlach: CBH-III; Entwurf hierzu: CBH-E; Ehrenbuch Herwart: StdA A, Schätze, Nr. 194b; Hausbuch Melem: ISG, Privilegienkammer; Gedechtnus der Praun: StdA N, E28II, Nr. 11; Geschlechterbuch der Rieter: StdA N, 14, Nr. B1; Rieter Geschlechterbuch, Kopiar, Saalbuch: StdA N, 14, Nr. B24; Ehrenbuch von Stetten: Familienarchiv von Stetten; Große Tucherbuch: StdA N, E29/III Nr. 258; Welsersche Stammenbücher I-III: Familienarchiv der Freiherrlich Welserschen Familienstiftung.
 

4. Weitere Literatur [195]

Theodor Aign, Die Ketzel. Ein Nürnberger Handelsherren- und Jerusalempilgergeschlecht, Neustadt a. d. Aisch 1961. – E. F. Bange, Peter Flötner (Meister der Graphik 14) Leipzig 1926. – Franz Joachim Behnisch, Die Tracht Nürnbergs und seines Umlandes vom 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, Würzburg 1963. – Johann Gottfried Biedermann, Geschlechtsregister des hochadelichen Patriciats zu Nürnberg [ ...], Bayreuth 1748 (Nachdruck Neustadt a. d. Aisch 1982); hierzu auch: Personenregister zu den 624 Stammtafeln aus dem 1748 erschienenen Werk von Johann Gottfried Biedermann, bearb. durch Korb’sches Sippenarchiv (Die Fundgrube 43) Regensburg 1983. – Elfried Bock, Die deutsche Graphik, München 1922. – Sigrid Flamand Christensen, Die männliche Kleidung in der süddeutschen Renaissance (Kunstwissenschaftliche Studien 15) Berlin 1934. – Paul Joseph Eduard Felner, Die Münzen von Frankfurt am Main, Bd. 1, Frankfurt 1896. – Festschrift für Brigitte Klesse [Hg.: Förderer des Museums für Angewandte Kunst Köln, Red.: Ingrid Guntermann u.a.], Berlin 1994. – Elie-Charles Flamand, Die Malerei der Renaissance III, (Weltgeschichte der Malerei 11) Lausanne 1966. – Karl Friedrich von Frank zu Döfering, Die Kressen. Eine Familiengeschichte. Schloß Senftenegg 1936. – Frankfurter Biographie, Personengeschichtliches Lexikon, hg. von Wolfgang Klötzer, bearbeitet von Sabine Hock und Reinhard Frost, 2 Bände, Frankfurt a.M. 1994 und 1996. – Julius Friedländer, Die italienischen Schaumünzen des fünfzehnten Jahrhunderts (1430-1530). Ein Beitrag zur Kunstgeschichte, Berlin 1882. – Max J. Friedländer/Jakob Rosenberg, Die Gemälde von Lucas Cranach, Berlin 1932. – Heinrich Geissler, Zeichnung in Deutschland. Deutsche Zeichner 1540-1640, [Katalog] Staatsgalerie Stuttgart, 2 Bände, Stuttgart 1979 u. 1980. – Paul Grotemeyer, „Da ich het die gestalt“. Deutsche Bildnismedaillen des 16. Jahrhunderts. München 1957. – Oswald von Gschließer, Der Reichshofrat. Bedeutung und Verfassung, Schicksal und Besetzung einer obersten Reichsbehörde von 1559 bis 1806, Wien 1942. – Yvonne Hackenbroch, Renaissance Jewellery, London/München 1979. – Albert d’Haenens, Die Welt der Hanse, Genf 1984. – Friedrich Hottenroth, Die Bilder aus dem Handbuch der Deutschen Tracht. Gewänder und Zugehöriges von den Germanen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Hannover 1985. – Johann Kamann, Der Nürnberger Patrizier Christoph Fürer der Ältere und seine Denkwürdigkeiten 1479-1537, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 28 (1928) S. 209-311. – Katalog, Adel im Wandel. Politik – Kultur – Konfession 1500-1700 (Katalog des NÖ Landesmuseums, NF 251) Wien 1990. – Katalog, Altdeutsche Bilder der Sammlung Georg Schäfer Schweinfurt, Schweinfurt 1985. – Katalog, Hans Burgkmair. Das graphische Werk, Graphische Sammlung Staatsgalerie Stuttgart, Isolde Hausberger [Red.], Stuttgart 1973. – Katalog, Frankfurt um 1600. Alltagsleben in der Stadt (Kleine Schriften des Historischen Museums 7) Frankfurt a.M. 1976. – Katalog, „Geld und Glaube“. Leben in evangelischen Reichsstädten. Katalog zur Ausstellung im Antonierhaus Memmingen 1998 (Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 27/98, herausgegeben vom Haus der Bayerischen Geschichte) Augsburg 1998. – Katalog, Idol und Ideal. Das Bild des Menschen im Schmuck der Renaissance. Schmuckmuseum, Pforzheim 1997. – Katalog, Köpfe der Lutherzeit, hg. von Werner Hofmann, München 1983. – Katalog, Die Renaissance im deutschen Südwesten zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg, 2 Bände, Karlsruhe 1986. – Katalog, Sammlerin und Stifterin. Henriette Amalie von Anhalt-Dessau und ihr Frankfurter Exil (Kataloge des Haus Giersch – Museum Regionaler Kunst, hg. im Auftrag der Stiftung Giersch von Manfred Großkinski; Kataloge der Anhaltischen Gemäldegallerie Dessau, hg. im Auftrag der Stadt Dessau von Norbert Michels, Band 10) Frankfurt a.M./Dessau 2002. – Katalog, Vorstenportretten uit de eerste helft van de 16de eeuw. Houtsneden als propaganda, Rijksprentenkabinet Rijksmuseum Amsterdam, Amsterdam 1972. – Hans Körner, Frankfurter Patrizier. Historisch-Genealogisches Handbuch der Adeligen Ganerbschaft des Hauses Alten-Limpurg zu Frankfurt am Main, neubearbeitet und fortgesetzt durch Andreas Hansert (Deutsches Familienarchiv 143/144) Neustadt/Aisch ²2003. – Joseph Leo Koerner, The Moment of Self-Portraiture in German Renaissance Art, Chicago/London 1993. – Das Kostüm. Eine Geschichte der Mode, Bd. 3, Renaissance und Frühbarock, München 1951. – Annette Kranz, Christoph Amberger und einige Welser-Bildnisse des 16. Jahrhunderts, in: Die Welser, Neue Forschungen (wie Anm. 154) S. 409-448. – Das Große Lexikon der Malerei. Braunschweig 1982. – Angelika Lorenz, Die Maler tom Ring, 2 Bände [Katalog], Münster 1996. – Kurt Pilz, Die Zeichnungen und das graphische Werk des Jost Ammann 1539-1591 Zürich – Nürnberg (Die Frühzeit 1539-1565). Diss. München, Zürich 1933. – Orville Prescott, Princes of the Renaissance, London 1970. – Die Sammlungen des Prado, Malerei vom 12.-18. Jahrhundert, Köln 1994. – Die Reichsregisterbücher Kaiser Karls V., hrsg. vom Kaiser-Wilhelm-Institut für Deutsche Geschichte, (Bearb.) Lothar Groß. Wien/Leipzig 1930. – Bernd Roeck, Eine Stadt in Krieg und Frieden. Studien zur Geschichte der Reichsstadt Augsburg zwischen Kalenderstreit und Parität, 1. Teilband, (Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften 37) Göttingen 1987. – Wolfgang Ronner, Die Herren von Kronberg und ihr Reichslehen 1189-1704. Regesten und ergänzende Texte, Frankfurt a.M. 1999. – Roberto Salvini, Die Uffizien in Florenz, München 1955. – Norbert Schneider, Porträtmalerei. Hauptwerke europäischer Bildniskunst 1420-1670, Köln 1994. – Gerd Schwerhoff, „Die groisse oeverswenckliche costlicheyt zo messigen“. Bürgerliche Einheit und ständische Differenzierung in Kölner Aufwandsordnungen (14.-17. Jahrhundert), in: Rheinische Vierteljahrsblätter 54 (1990) S. 95-122. Gerhard Seibold, Die Manlich. Geschichte einer Augsburger Kaufmannsfamilie, Sigmaringen 1995. – Helmut Seling (Hg.), Keysers Kunst- und Antiquitätenbuch, Band 2, Heidelberg/München 1959. – Peter Strieder, Das deutsche Kaufmannsbildnis im 15. und 16. Jahrhundert, in: Bartholomäus Welser und seine Zeit, hg. von der Stadt Augsburg, Augsburg 1962, S. 59-80. – Gabriele Vitásek, Das EFFIGIERVM CAESARUM OPUS, eine illuminierte Kaiserreihe von 1580. Ein Beitrag zur Tradition der fila imperatorum an den Höfen der Habsburger, in: Frühneuzeit-Info 11 (2000) S. 28-49. – Christoph Graf zu Waldburg Wolfegg, Venus und Mars. Das Mittelalterliche Hausbuch aus der Sammlung der Fürsten zu Waldburg Wolfegg, München / New York 1997. – Urs Martin Zahnd, Die autobiographischen Aufzeichnungen Ludwig von Diesbachs. Studien zur spätmittelalterlichen Selbstdarstellung im oberdeutschen und schweizerischen Raume (Schriften der Berner Burgerbibliothek 17) Bern 1986. – Jutta Zander-Seidel, Was man zu Dürers Zeiten trug. Bürgerliche Kleidung im 16. Jahrhundert, in: forschung – Mitteilungen der DFG 3 (1987) S. 19-21. – Ernst Walter Zeeden, Deutsche Kultur in der frühen Neuzeit, (Handbuch der Kulturgeschichte) Wiesbaden 1968.